Es ist der 15. Mai 2004 um 12:21 Uhr, als FIFA-Präsident Joseph S. Blatter in Zürich den Umschlag öffnet und Südafrika als Gastgeberland für die FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2010 benennt. „Heute ist es wunderbar, Afrikaner zu sein“, erklärt daraufhin einer der Spitzenvertreter der südafrikanischen Delegation, an dessen Spitze Ex-Präsident Nelson Mandela stand.
Drei Jahre sind seit der Nominierung Südafrikas als Austragungsort der FIFA-Fußball-WM im Jahr 2010 vergangen. Ein Wechselbad der Gefühle hat seither die südafrikanische Fußballgemeinde begleitet. Nachdem sich die erste Euphorie gelegt hatte, konnte man nicht umhin, auch auf die Missstände am Kap der Guten Hoffnung aufmerksam zu machen. Und de-rer,gibt es ohne Frage viele. Denn auch knapp vierzehn Jahre nach der friedlichen Ablösung des Apartheidregimes kämpft die junge Republik mit großen Schwierigkeiten. Als größte Bedrohung für die Demokratie gelten dabei Armut, Arbeitslosigkeit und Gewalt.
44 Millionen Menschen leben in Südafrika; die Mehrheit davon ist schwarz. Unter der schwarzen Bevölkerung wiederum lebt mehr als die Hälfte unterhalb der Armutsgrenze, d.h. sie bestreitet ihren Lebensunterhalt mit weniger als 45 Euro im Monat. Für diese Menschen hat sich die Hoffnung, die mit den ersten demokratischen Wahlen 1994 einherging bis heute nicht erfüllt. Sie leben in den von der Politik der Rassentrennung entstandenen Elendsvierteln rund um die Metropolen Johannesburg oder Kapstadt. Allein in Kayelitsha, dem zweigrößten Slumviertel Südfarikas, vor den Toren Kapstadts leben schätzungsweise eine Million Schwarze und Farbige in einem Konglomerat aus Wellblech, Pappe und Holz, oft ohne Strom und Wasser.
Nach offiziellen Statistiken haben sich jedoch in den letzten drei Jahren die Wohnverhältnisse in den Elendsvierteln der Großstädte Johannesburg, Kapstadt oder Durban verbessert. Über 81% der Haushalte verfügen heute über einen Stromanschluss, auch in den Armenvierteln Kayelitshas, Orange Farm oder dem größten Township Südafrikas in Soweto. Und bis zur WM 2010 sollen Elendsbehausungen aus Wellblech und Pappe aus dem südafrikanischen Straßenbild ganz verschwinden und schmucken Einfamilienhäuschen weichen. Dieses in der Tat äußerst visionäre Vorhaben stößt jedoch selbst bei den größten Optimisten auf Zweifel.
Neben der Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen zeichnet sich auch auf dem Arbeitsmarkt eine positive Tendenz ab. In den letzten drei Jahren, seit der Nominierung zum Gastgeber der FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2010, konnten 1,5 Millionen Jobs geschaffen werden. Doch um das angestrebte Ziel, die Arbeitslosenrate bis 2014 zu halbieren, zu erreichen müssten pro Jahr mindestens 600.000 Arbeitsplät-ze entstehen. Offiziell liegt die Arbeitslosenquote in Südafrika bei 25%. In den Townships und Armenvierteln des Landes steigt die Rate jedoch über 50 %. Ebenso hoch liegt die Jugendarbeitslosenquote.
Dass, angesichts dieser Perspektivlosigkeit viele Jugendliche zu Drogen oder Alkohol greifen und dann gewaltauffällig werden, ist nicht verwunderlich. Staatliche Programme für Jugendliche in sozialen Brennpunkten gibt es kaum. Berufschulen und Universitäten sind zu teuer und in den Gebieten, in denen die schwarze Bevölkerung lebt, ist die Qualität der angebotenen Ausbildungsmöglichkeiten oft mangelhaft. So gilt als ein Hauptproblem auf dem südafrikanischen Arbeitsmarkt, dass vorhandene Arbeitsplätze aufgrund unzureichender Qualifikation der Bewerber nicht besetzt werden können. Um diese Diskrepanz zu schließen, gibt es von Seiten der Kirche Ausbildungsprogramme, in denen Jugendliche einen anerkannten Beruf im Handwerk oder Büroberufe erlernen. In der Wirtschaft sind die Jungen und Mädchen nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung gut zu vermitteln.
Der Club der guten Hoffnung, hofft - wie viele Südafrikaner - auf eine langfristige Stärkung des Landes durch die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft. Denn ein stabiles und wirtschaftlich starkes Südafrika würde dem ganzen Kontinent zugute kommen. Gemeinsam mit den Projektpartnern vor Ort steht für missio die ganzheitliche Ausbildung von Jugendlichen aus sozial schwachen Familien im Vordergrund der Projektarbeit. Neben Ausbildungsprogrammen am Institut der Salesianer Don Boscos unterstützt missio auch die Arbeit von Youth Unlimited, ein Zusammenschluss kirchlicher Träger, die Jugendliche auch in der Freizeit betreuen und ihnen eine Anlaufstelle bieten.
Unter Projekten erfahrt ihr mehr über unsere Partner in Afrika.
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